Miasmatische Homöopathie

Die miasmatische Homöopathie eignet sich besonders gut zur Behandlung chronischer Krankheiten, da sie in der Lage ist, die Wurzel der Krankheit zu erreichen. Schon seit Hahnemanns Zeiten existiert der Begriff Miasma in der Homöopathie. Bei vielen Krankheiten reicht es nicht aus, anhand der Symptome das richtige Heilmittel zu finden, sondern man muß sich die unsichtbare, familiensystemisch eingebundene Krankheit unter der Krankheit anschauen. Damit ist ein Rahmen vorgegeben, komplizierte und komplexe Krankheiten zu behandeln. Das Konstitutionsmittel des Patienten reicht meistens nicht tief genug, kommt aber im Laufe der Behandlung dran und wirkt dann besonders gut.

Heute versteht man die Miasmen als Ausdruck des individuellen und kollektiven menschlichen Bewußtseins mit seinen Licht- und Schattenseiten. Sie stellen eine Dynamik dar, wie man krank, aber auch wieder heil wird. Kulturgeschichtlich ist zu sehen, dass in jeder Epoche ein bestimmter Zeitgeist herrschte, der sich sowohl künstlerisch als auch intellektuell, spirituell und in technischen Errungenschaften manifestierte. Ebenso gab es jeweils eine bestimmte Zeitkrankheit, eine Seuche. Die Seuche ist nicht selbst das Miasma, sondern das jeweilige Miasma ruft die passende Seuche hervor.

In der miasmatischen Therapie ist es also wichtig, das aktive Miasma zu erkennen, die Selbstheilungsprogramme des Organismus anzuregen und das Immunsystem zu unterstützen, den biologischen Konflikt zu erkennen, sowohl eine biologische Lösung des Konfliktes anzubieten als auch an einer intelligenten Lösung zu arbeiten.

Ein Erklärungsmodell zur Heilung chronischer Krankheiten, das jeder Patient versteht, ist das sogenannte Miasmenhaus. Anhand eines einfachen Hauses mit verschiedenen Etagen, Treppen und Zimmern kann der Patient nachvollziehen,wo er gerade steht. Selbst Kinder finden es spannend, ihre Reise durchs Miasmenhaus zu verfolgen. Das Haus in der Abbildung ist meine eigene Zeichnung und Interpretation nach den Vorgaben Rosina Sonnenschmidts. Häufig wird in der Miasmatik mit zwei Mitteln, die abwechselnd gegeben werden, gearbeitet. Ein Patient muß übrigens nicht alle Etagen und Räume abarbeiten. Häufig ist die Grundlage für eine bestimmte Ebene im Patienten gar nicht angelegt, dann zeigt sie sich auch nicht und muß auch nicht behandelt werden.

Unten im Keller befindet sich die Syphilinie (zugehörige Seuche: Syphilis). Alles ist modrig, unaufgeräumt und starr. Im Körper sind Blut, Knochen, Zähne, Leber, Nieren, Gehirn und Nerven betroffen. Es kommt zu Zerstörungen an lebenswichtigen Organen. Die Haut kann kreisrunde, knallrote Stellen zeigen, die unter Hautniveau liegen. Menschen, bei denen die Syphilinie vorherrscht, können gefühlsarm sein und sich mit Beziehungen schwertun. Werden die passenden syphilitischen Mittel gegeben, kommt das Leben in Bewegung und die Lebensenergie verstärkt sich.

Bei vielen Menschen gibt es eine mehr oder weniger lange Kellertreppe. Manchmal ist das Treppensteigen mühsam und es dauert eine Zeitlang, bis die Sykose sicher erreicht ist. Körperlich sind Symptome beider Ebenen vorhanden. Auch die Treppe wird mit passenden sog. Treppenmitteln unterstützt.

Eines Tages ist das Erdgeschoß erreicht, die Sykose (zugehörige Krankheit: Gonorrhoe = Tripper). Sykotisch sein bedeutet nicht unbedingt, dass der Patient den Tripper selber gehabt haben muß. Irgendein Vorfahr war betroffen und etwas von der Krankheit wird über Generationen hinweg weitergegeben und sorgt bei den Nachkommen für bestimmte Krankheitssymptome. Häufig findet man fischig riechenden Ausfluß, Blasenentzündungen, Augenentzündungen und Kniebeschwerden, verteilt über das ganze Leben. Ein typischer Sykotiker ist rund, athletisch, untersetzt und hypertonisch. Er leidet unter Gicht, Rheuma, Gelenkproblemen, Ablagerungen, Stoffwechselerkrankungen, Wucherungen und Tumoren. Hauterscheinungen wie zum Beispiel Warzen befinden sich über Hautniveau. Der Sykotiker neigt in seinem Wesen zur Fixierung, er kann übertrieben, gestaut, prahlerisch und produktiv wirken.

In der tertiären Sykose herrschen Steifheit, Steinbildungen und Neubildungen vor. Es kommt zu borkigen grün-braunen Absonderungen und trockenen Schleimhäuten. Die sekundäre Sykose zeigt sich durch Schmerzen, Entzündungen, schmutzig-gelbe zähe Absonderungen, Verschlackung, Verstopfung und Verklebungen. In der primären Sykose zeigen sich Schwellungen, weiche, gelbe Sekrete, Ödeme, Ascites, Neigung zu Verschleimung, Verschlackung, Ekzeme ohne Juckreiz.

In der Sykose brechen alte Themen auf, alte Verletzungen und verdrängte Erlebnisse zeigen sich, der Patient kann wieder weinen. Eventuell geben Träume Hinweise auf unbewußte Themen. Der Patient ist bereit, sein Familiensystem anzuschauen. Vorher hat er keine Probleme gesehen, alles war in Ordnung. Spätestens jetzt ist es also an der Zeit, weitere Heilmethoden wie Familienstellen, Ernährung, Entsäuerung, Darmsanierung aufzugreifen.

Nach Ersteigen einer weiteren Treppe erreicht der Patient die Tuberkulinie ( zugehörige Seuche: Tuberkulose). Die Abbildung zeigt Fenster, die Licht und Luft hereinlassen. Das Leben ist nicht mehr so schwer. Der Typ des Tuberkulinikers hat einen schlanken, langen, asthenischen Körper. Er ist nervös, heimatlos, chaotisch und euphorisch. Seine Schwachstellen sind das Atmungssystem, Blut, Lunge, Bronchien, Nebenhöhlen, Sinnesorgane und die Därme. Er neigt zu Durchfall und Blutungen. Symptome verändern sich schnell. In der miasmatischen Heilung zeigt sich das Erreichen der Tuberkulinie gerne in einer Erkältung mit hohem Fieber, ein Grund zur Freude, denn das Immunsystem arbeitet wieder!

Gelegentlich kommt es in der Tuberkulinie zu einem Wiederaufflackern syphilitscher Symptome, dargestellt durch das abstürzende Menschlein auf der linken Bildseite. Aber auch hier gibt es Mittel, das Sprungtuch aufzuspannen und den Patienten wieder aufzufangen.

Nach einer weiteren Treppe ist das Dachgeschoß erreicht, die Psora (zugehörige Seuche: Krätze). Den typischen reinen Psoriker gibt es heute kaum mehr. Er ist schwächlich, hypotonisch, hat Probleme mit der Haut (Juckreiz) und Schleimhaut. Organfunktionen sind nur gestört, nicht unwiederbringlich zerstört. Vom Wesen her ist der Psoriker gehemmt, schüchtern, unzulänglich, ängstlich und gereizt. Kommen wir in der Miasmatik in der Psora an, erlebt der Patient häufig nochmal eine vorübergehende Schwächephase, die Haut reagiert, auch Patienten, die sich an Hautprobleme nicht erinnern können, bekommen plötzlich einen Hautausschlag. Die Krankheit verläßt den Körper über die Haut.

Nun kann der Heilungsweg aber auch noch über die verschiedenen Anbauten und Balkone unseres Hauses gehen, die manchmal recht groß sein können.

Die Karzinogenie ist eine Verbackung aus Syphilinie und Sykose. Es können alle Organe und Organsysteme betroffen sein. Der Mensch macht die Ausnahme zur Regel, geht in die Opferrolle, trägt für seine Familie. Es gab im Laufe des Lebens viele Unterdrückungen von Krankheitssymptomen. Der Patient ist häufig romantisch veranlagt, künstlerisch begabt und freundlich ohne Ecken und Kanten.

Der untere Balkon zeigt die sogenannte Parasitose. Sie steht auf einer Ebene mit der Sykose und zeigt sich manchmal auch in ähnlichen Symptomen. Die Parasitose ist umso größer, je mehr der Patient unter Impfungen gelitten hat und je mehr unterdrückende Behandlungen (Antibiotika, Cortison…) durchgeführt wurden. Die natürlichen Ausleitungsorgane und das Immunsystem sind gelähmt. Häufig ist der Patient regelrecht medikamentensüchtig, er schluckt für jedes Wehwehchen eine Pille. Dazu gehören auch Nahrungsergänzungsmittel und homöopathische Mittel! Bei Streß lebt er zu einem großen Teil von Kaffee, hat Angst vor Vergiftung und ist infektanfällig.

Der obere Balkon, die Skrophulose, ist entstanden aus einer Verschmelzung von Tuberkulinie und Psora. Alte Symptome tauchen wieder auf. Lymphsystem, Halsdrüsen, Kopfhaut, Haut, Sinnesorgane und Nieren reagieren mit manchmal heftigen Symptomen. Der Patient zeigt sich phlegmatisch und unentschieden.

Es gibt also verschiedene Wege der Ausheilung einer schweren chronischen Krankheit. In dieses miasmatische Heilungsmodell lassen sich alle therapeutischen Heilverfahren integrieren. Das Miasmenhaus gibt dabei die grobe Richtung vor. Es wird gleichzeitig einfach und kreativ gearbeitet. Und nach Erreichen der Psora kann der Patient guten Gewissens in die Eigenverantwortung für seine Gesundheit entlassen werden. Heilung darf ein gutes Ende haben.